de · en · fr


Home

Über Cautèle

Über Côme

Preise


Cautèle                    

                  Bewusstheit durch Bewegung                                                               
Systemisches Coaching
Körperwahrnehmung
& kreative Entwicklung

01

“Creativity & Präsenz — mit Inès Weill-Rochant” — 03/26




Côme
Willkommen bei Creativity&. Creativity& ist ein Podcast-Kanal, der sich mit Kreativität in Verbindung mit anderen Themen beschäftigt: mentale Gesundheit, Körper, Politik, Arbeit, Liebe, Gesellschaft. Ich bin Côme Ledésert, ich bin der Gründer von Cautèle. und dieser Podcast ist eine Erweiterung meiner Arbeit als systemischer Coach im Bereich Kreativität und mentale Gesundheit. Und das ist eine ganz besondere Folge, weil es die allererste ist. Jede Folge dreht sich um ein Thema, heute Kreativität und Präsenz, und wird durch Interpretation und Schauspiel in Form eines Gesprächs präsentiert. Um diese Serie zu starten, könnte ich mir niemanden vorstellen, der besser passt als Inès Weill-Rochant. Guten Tag Inès!

Inès
Hallo Côme!

Côme
Wir kennen uns schon ewig, haben zusammen an der Sciences Po studiert und sind dann jeder auf seine Weise kreative Wege gegangen. Seitdem tauschen wir regelmäßig unsere Ansichten über die Gesellschaft aus, wobei unser Blickwinkel aus Politikwissenschaft und Kunst unsere Diskussionen weiterhin prägt. Inès, du bist Schauspielerin und Drehbuchautorin. Du bist in Jerusalem aufgewachsen. Du machst Theater, Film und schreibst in Frankreich und international und du arbeitest gerade an mehreren engagierten Kunstprojekten. Wir werden deinen Werdegang im Laufe des Gesprächs sowieso erfahren. Die Idee heute ist echt einfach. Inès wird mir erst mal ein paar Fragen stellen, die wir zusammen aus ihrer Erfahrung heraus vorbereitet haben. Dann lassen wir das Gespräch zu einem Dialog werden.

Inès
Meine Frage, Côme, geht um die Anwesenheit, die Präsenz als Schauspielerin, auf der Bühne oder vor der Kamera. Meine Frage ist also, wie man wirklich präsent sein kann, ohne von mentalen Zuständen und Stress abgelenkt sein – wie wirkt sich das deiner Meinung nach auf die Kreativität und die psychische Gesundheit aus?

Côme
Was du da beschreibst, wird oft als sehr spezifisch für Schauspieler, für Künstler. Aber eigentlich ist die Frage der Präsenz für viele Leute echt wichtig geworden, weit über den künstlerischen Bereich hinaus. Seit es soziale Netzwerke gibt, sind wir nicht mehr nur Konsumenten von Bildern sondern auch Produzenten von Bildern geworden, oft sogar von unserem eigenen Bild. Und das hat unsere Beziehung zu uns selbst total verändert. Wir beobachten uns gegenseitig, wir ahnen voraus, wie andere uns ansehen werden, was andere denken könnten. Es wird schwierig, einfach da zu sein, wenn ein Teil von uns fragt sich ständig: „Wie werde ich wahrgenommen?“. Dazu kommt noch die Komplexität und Vielfalt der Aufgaben bei der Arbeit und wie wir  uns unterhalten, was sich deutlich verändert hat, vor allem in den sozialen Netzwerken, wo es jetzt mehr um kurze als lange Aufmerksamkeit geht. Die Frage nach dem „Hier und Jetzt“ ist zu einer Art kollektiven Obsession geworden, aber auch zu einem großen Thema für die mentale Gesundheit, vor allem seit Covid. In dieser Zeit mussten viele Leute isoliert und zurückgezogen leben, oft ohne Zugang zu der üblichen Behandlung, und viele haben versucht, sich selbst mit Meditation-Apps zu behandeln, ohne unbedingt vorher meditativ erfahren zu sein. Sehr schnell ist es eine Form des gesellschaftlichen Diktats geworden: entweder hier und jetzt, sonst nichts. Wohingegen in  meditativen, philosophischen oder existentiellen Traditionen, das Hier und Jetzt hatte noch nie nur eine einzige Definition, und auch nicht nur einen Weg, wie man das erleben kann. In deinem Fall, Inès, was ich ich echt interessant finde, ist der Unterschied zwischen zwei Phasen. In der Vorbereitungsphase ist die mentale Einstellung super wichtig: den Text lernen, die Figur verstehen, die Inszenierung ausarbeiten, sich mental und physisch vorbereiten, und die Ausführungszeit. Da ist es oft besser, wenn sich der ruhelose Verstand zurückzieht, aber natürlich ohne es zu einem Diktat zu machen. In der Psychologie ist das, was man hier als Verstand bezeichnet, sind es vor allem Metagedanken: Gedanken, die das Handeln kommentieren. Mach ich das richtig? Bin ich glaubwürdig? Bin ich der Aufgabe gewachsen? Und sie bitten uns, uns zuschauen statt einfach nur machen. Und viele Traditionen beschäftigen sich schon seit Jahrhunderten damit, wie man mit diesen Gedanken umgeht oder nicht und vor allem, wie man den nicht zu viel Macht gibt. Für mich ist Kreativität nicht in erster Linie eine ideologische Haltung, sondern ein physiologischer Zustand. Die Zustände, die du vor dem Auftritt beschreibst, sind echt ähnlich wie das, was man bei Spitzensportlern sieht oder in jeder Situation, die das Gehirn als außergewöhnliche Leistung sieht. Auf die Bühne zu gehen, ist echt was Besonderes für dein Gehirn, auch wenn es dein Job ist. Je nach deiner Persönlichkeit und Erfahrung wird es dich mehr oder weniger stark daran erinnern und manchmal deine Aufmerksamkeit stören. Inès, als du mich wegen dieser Zustände vor dem Auftritt kontaktiert hast, haben wir eine Atemübung gemacht, das sogenannte Square Breathing, das wie ein Schnellverband wirkt. Die quadratische Atmung besteht aus vier Phasen. Du atmest 4 Sekunden lang ein. Du hältst 4 Sekunden lang die Luft an. Du atmest 4 Sekunden lang aus. Und für 4 Sekunden hältst du den Atem an. Willst du uns erzählen, was damals passiert ist? Wie hast du das erlebt? Und was hat dir diese Technik gebracht?

Inès
Klar, und echt danke, dass du diese Technik mit mir geteilt hast. der mir jeden Tag auf der Bühne hilft. Bevor ich diese Technik des quadratischen Atmens kannte, atmete ich, weil man ja schon mal atmet, und ich habe versucht, mich mit einer Art Meditation zu entspannen. Aber wie gesagt, ich kenn mich damit nicht so gut aus. Und ich habe viele Bilder im Kopf gehabt, die mit meiner Figur zu tun hatten. oder die Geschichte der Figur. Und eigentlich war es am Ende total logisch, weil ich es im Kopf habe. Und mir zu sagen: „Hör mal, bevor du auf die Bühne gehst, hör auf, dir alles vorzustellen und zu überdenken. Du hast diese Arbeit gemacht, das ist Vorarbeit. Hier bist du hinter den Kulissen, Du hast nicht viel Zeit." Und es ist so, wie du sagst, eine Art Schnellverband, aber echt effektiv, die es einem einfach ermöglicht, wieder dahin zu kommen, wo man gerade ist, hier zu sein, und zu ermöglichen da zu sein, wenn man auf die Bühne kommt und alles wieder aufleben lassen. Ich weiß nicht, ob das klar ist, aber es ist eine Art, ein bisschen zu entrümpeln, wie sich auf einen Schlag reinigen, in 16 Sekunden, wenn ich mich nicht in Mathe irre. Ja, genau. Und gereinigt zu sein, um anzurufen die ganze Komplexität, an der wir vorher gearbeitet haben.

Côme
Ja, und das kann man machen, mehrmals über mehrere Zyklen hinweg. Und das ist etwas, das ursprünglich in extrem stressigen Situationen von den Navy SEALs, die amerikanischen Soldaten, benutzt wurde. Also, das  ist echt interessant, das im Hinterkopf zu behalten. Mir hilft das manchmal auch, wie soll ich sagen, den Moment zu minimieren und zu denken: „Okay, wenn die Navy SEALs das gebraucht haben, für eine noch extremere noch gefährlicher Situation, vielleicht kann ich mit meinem Stress und meine Anwesenheit in diesem Moment mit dieser Übung umzugehen."

Inès
Ich wusste das nicht, also wird mir das helfen, auch die Ruhe und das Glück, hier zu sein, zu spüren. Ich hab noch eine Frage, wie so viele andere auch, aber man kann sie hier nicht alle stellen. Also, meine zweite Frage geht um ein schlechtes Gewissen, das ich hatte, das ich jetzt nicht mehr so stark habe, über meine psychischen Schwächen und ich mir gesagt habe, dass, solange es mir nicht besser geht, solang ich nicht alle meine Probleme lösen kann, was meiner Meinung nach unmöglich ist. Na ja, ich könnte wohl keine gute Schauspielerin sein. Also, glaubst du, dass man für kreatives Schaffen eine gute psychische Gesundheit braucht?

Côme
Das ist eine echt große Frage, aber wir versuchen, sie schnell zu beantworten. Es gibt einen falschen Mythos, der echt weit verbreitet ist. Man muss sich gut fühlen, um kreativ zu sein. Und das Paradoxe daran ist, dass es trotzdem einen ziemlich klaren Zusammenhang zwischen Kreativität und negativen Gedanken gibt. Das heißt nicht, dass man leiden muss, um kreativ zu sein. Aber schwierige Gemütszustände einfach mal akzeptieren, ist oft echt wichtig. Die eigentliche Herausforderung, die im Alltag echt kompliziert ist, besteht darin, Identität und Zerstörung nicht zu verwechseln. Die sogenannte gequälte Kreativität ist kein Symptom, sondern oft ein Versuch des Gehirns, ein Problem zu lösen. Und im Zusammenhang mit der Kunst ist dieses Problem oft echt existenziell. Es geht irgendwie ums Überleben, aber nicht im praktischen Sinne, Also nicht das Überleben, das mit unseren körperlichen Bedürfnissen wie Essen, Trinken und Atmen zu tun hat. Und dadurch spürt man eine gewisse Intensität, und das betrifft, wer wir sind, aber noch wichtiger ist, Was aus uns wird, wie wir uns bewegen. Und genau diese Frage rundet die schnelle Heilung durch Square Breathing ab. um mittel- und langfristige Lösungen anzubieten. Und genau das ist die Arbeit, die ich mit Cautèle mache.  Es geht nicht darum, Emotionen, die als negativ angesehen werden, zu unterdrücken, sondern ihre Anwesenheit akzeptieren und schauen, wie sie zu einer kreativen Kraft werden können. Und Inès, ich glaube, du hast auf deiner Reise nach Polen eine ziemlich spannende und wichtige Erfahrung gemacht. Und würdest du uns ein bisschen davon erzählen, was du in dieser Hinsicht erlebt hast? und wie sich die Dinge auch langfristig entwickeln können?

Inès
Ja, die Reise nach Polen war echt intensiv, das ist klar, aber auch schön. Also hab ich es gemacht, weil es einerseits Teil meiner Geschichte ist, die ich verdrängt habe, Da ein Teil meiner Familie aus Polen kommt, also polnische Juden sind. Und das gehört auch zu dem Stück, in dem ich mitspiele, und zu der Figur, die ich darstelle. Und ich hatte so was wie eine Art Offenbarung oder zumindest ein Bedürfnis, die echt aus meinem Innersten kam, vor meinem ersten Auftritt im Theater im Oktober, mir zu sagen, ich muss nach Polen. Ich kann einfach nicht mehr die jüdische Oma spielen, die in Polen geboren wurde. und hat dann den Zweiten Weltkrieg dort erlebt, ohne Polen zu kennen, ohne es zu berühren, ohne seinen Geruch zu riechen. Ich weiß nicht, es war irgendwie komisch. Also bin ich für 48 Stunden hingefahren, und ich konnte schon mal Polen sehen, Tatsächlich Orte zu sehen, die mit der Geschichte der Figur verbunden sind, ein Museum über die Geschichte der Juden in Polen besuchen, nach Treblinka fahren, dem Vernichtungslager, das von den Nazis zugeschüttet wurde damit es nicht mehr sichtbar ist. Ich habe mich entschieden, in dieses Vernichtungslager zu gehen. weil die Figur, die ich spiele, leider dort Zeit verbrachtete, ohne zu sterben. Und das hat mir echt geholfen. Es stimmt, dass da wir gerade über Zerbrechlichkeit reden, das war eine Schwäche, vor allem bei mir, über die Shoah zu trauern. Ich hatte noch nie wegen der Shoah geweint, oder sogar das Gegenteil. Und da auf der Bühne hatte ich echt keine Wahl. Mein Regisseur meinte zu mir: „Ich will, dass du weinst, ich will, dass du bewegt bist, schließlich, da du darüber sprechen wirst.“ Und komischerweise alles, was irgendwie vernünftig war oder Spieltechniken, sich vorstellen, Okay, es gibt viele um zu weinen. Also, nichts hat mich mehr geholfen, nach Polen zu reisen, und die Möglichkeit, Treblinka zu sehen und anzufassen. Ich habe das Gras berührt, wo es gab noch bestimmt... Ich weiß nicht, genau, dieses Gras, darunter gibt es sicher vielleicht menschliche Überreste, Menschenstaub. Das ist echt heftig, aber es hat mich irgendwie gestärkt, mich geleert, genährt und mir geholfen, besser bereit zu sein, mich wieder zu zeigen. Wir haben über die lange Zeit gesprochen, es ist nicht die gleiche Vorbereitung wie beim Square Breathing, aber es ergänzt es.

Côme
Ja, das passt dazu, und es gibt auch eine existenzielle Dimension in dem, was du erzählst.

Inès
Ja, klar, es kommt natürlich auf die Rollen an, die man uns anbietet. Aber es gibt Rollen wie diese, die uns in Verbindung mit unserer Geschichte voranbringen. Und das ist echt super. Und dafür werde ich Ismaël Saïli, dem Dramatiker und Schriftsteller, immer dankbar sein. Der ist Regisseur, und er spielt mit mir auf der Bühne. Weil er mich dazu gebracht hat, mich wieder mit dieser Geschichte zu verbinden, die ich verdrängt hatte. Also, es stimmt, dass es auf einmal echt interessant ist, weil du in deiner Kunst Fortschritte machst, aber du machst auch Fortschritte mit deinen Tabus, mit ein paar Probleme, die du in Psychologie hast, in transgenerationeller Psychologie. Also ja, das ist echt existenziell.

Côme
Und du hast mir auch erzählt, während unserer ersten Gespräche, was mir an deiner Arbeit als Schauspielerin aufgefallen ist. Du hast mir gesagt, Je besser die Vorarbeit ist, desto freier bin ich im Moment.

Inès
Ja, weil das mich immer noch fertig macht. Auch wenn ich es jetzt akzeptiert habe aber ich denke, dass wegen dem Stress die wir haben und manchmal einfach wegen Abhauen Ich hatte Ich dachte zum Beispiel Stand-up-Comedy. Weil ich Stand-up-Comedy gemacht habe. Ich habe ein bisschen beiseite gelegt. Es ist einfach nur die Lust, ein bisschen das Gefühl der Woche oder des Tages zu teilen. Und deshalb konnte ich mir nicht vorstellen, wie man Witze auswendig lernen kann und sie ein Jahr lang wiederholen. Obwohl du die Trennung, von der du redest, eigentlich gar nicht mehr erlebst oder ich weiß nicht, den Tag, als du schlechte Laune hattest. Und ehrlich gesagt, habe ich das zuerst beim Stand-up gemerkt. Du kannst nicht einfach improvisieren, wenn du vorher nicht richtig gelernt hast, und wenn du keine Witze oder einen extrem starken Text hast. Um dann natürlich ein bisschen improvisieren zu können. Und im Theater ist das vielleicht weniger offensichtlich, weil das Theater, egal, was du machst, du musst deinen Text lernen. Aber wenn es um Bewegungen, Blicke und Fortbewegung geht, auch das muss echt genau sein. Und ich fange gerade erst an, mich zu befreien. Seit anderthalb Jahren spiele ich das Stück. Jerusalem Und ich dachte echt, dass es nach vier Monaten klappen würde. Ich hab's vielleicht zehnmal gespielt. Die ersten Male, als wir ihn in Lüttich gespielt haben. Danach war ich in Avignon, wo ich es 18 Mal gespielt habe. Aber das war erst der Anfang, das war noch gar nichts. und da glaube ich, dass ich es vielleicht 50 oder 60 Mal gespielt habe und ich fange an, wirklich gut und nehme meinen Platz auf der Bühne ein und mein Regisseur hat mir gesagt, dass er echt zufrieden ist. Aber immerhin anderthalb Jahre.

Côme
Ja, es ist eine lange Zeit. Und ich finde auch, dass das die Frage nach dem kreativen Prozess aufwirft, weil man ihn oft als  sprudelnd beschreibt, im Vergleich zu einem strukturierteren Ansatz. Es stimmt, dass die Frage einen Rahmen zu schaffen wie eine Voraussetzung für kreative Freiheit, viele wissen es theoretisch, aber in der Praxis oft versteift man sich oder umgekehrt lehnt man den Rahmen ab. Ich zum Beispiel sehe den Rahmen eher als Einschränkung. Ich würde gerne wissen, ob dir einen Rahmen passt. Gibt es dir im Alltag dadurch Struktur? Oder stört dich das irgendwie?

Inès
Früher hat er mich genervt und mir Angst gemacht. Aber ich habe verstanden, dass es meiner Meinung nach auch um eine Flucht ging, um nichts zu produzieren und zu präsentieren, oder zumindest diffus darzustellen. Und da würde ich sagen, dass ich doch zum Team „Rahmen" gehöre, Es ist echt überraschend, das zu sagen, aber ich bin im Team „Rahmen". Und weißt du, neulich war ich echt überrascht, Ich habe mit einer iranischen Freundin eine echt intensive Performance gemacht. Sie ist Französisch-Iranisch. Und wir machen diese Performance auch schon seit zwei Jahren. Zweimal im Jahr ist nicht gerade regelmäßig. Also, diese Performance ist echt interessant. Weil es lebendige Kalligraphie ist, Also, sie ist Kalligraphin und macht Kalligraphie mit meinen Haaren. Und ich tanze. Na ja, es ist echt... Es mischt viele Kunstformen. Und ich war nervig. Ich wollte... Jetzt will ich, dass wir die Performance vorbereiten. Ich will wissen, welche Bewegung ich machen werde. Und sie, viel weniger. Und komischerweise frage ich meine Freundin Saena zu wissen, was ich machen werde. Und sie will... Ich glaube, so läuft das nicht. Das passt auch nicht zur Leistung, die echt intensiv mit dem aktuellen Geschehen verbunden ist. Aber mir ist klar, dass ich jetzt diesen Rahmen brauche. Sonst bin ich total gestresst und nicht stolz auf das, was ich mache.

Côme
Also irgendwie ist das was, das sich mit der Zeit entwickelt hat, wenn ich das richtig verstehe, dieses Bedürfnis nach einem Rahmen.

Inès
Ja, total. Und vor allem, indem ich stolz auf mich bin. Ich meine, ich merke, dass ich, wenn ich einen Rahmen habe, wenn ich weiß, was ich geben werde, bin ich viel stolzer auf mich und kann mich besser mit mir selbst auseinandersetzen. Es ist echt hart, sich selbst zu sehen, egal ob es eine Aufnahme ist. Aber echt, egal ob beim Stand-up, bei einer Performance oder im Theater, seit ich meinen Rahmen habe, bin ich echt viel stolzer auf meine Leistung.

Côme
Dann gibt es noch das Theater, wo die Struktur einfach unvermeidbar ist. Und dann gibt es noch die Performance, wo natürlich Improvisation eine viel größere Rolle spielt. Und für mich heißt Improvisation echt nicht, dass es keine Struktur gibt. Oft ist der Rahmen der Improvisation eigentlich implizit. und es gibt keine klar festgelegten, befähigenden Einschränkungen. Man kann sich schnell in unbewussten Mustern wiederholen, genau das Gegenteil von dem, was wir mit Kreativität wollen. Und ein großer Teil meiner Doktorarbeit betraf das Konzept der Fabulation bei Deleuze, ein Bereich, wo der Rahmen nicht klar festgelegt ist, aber wo ein Protokoll mit befähigenden Einschränkungen eine kontinuierliche und spontane Umwandlung ermöglicht. Und in diesem Moment ist der Rahmen etwas, das man leicht anpassen kann: beweglich, lebendig und flexibel. Und ich hab mich gefragt, Inès, in deiner Arbeit als Schauspielerin existiert diese Improvisationsphase aber ich denke, dass sie trotzdem nicht die Mehrheit hat.

Fortsetzung
Fortsetzung

Inès
Nein, sie hat keine Mehrheit. Ich fange jetzt an, sie einzuleiten. und mir erlauben, die einzuleiten weil ich dieses Stück schon seit anderthalb Jahren mache. Jetzt ist der Text in mir. Wie man so schön sagt: Es ist nicht mehr nur in meinem Kopf, sondern auch in meinem Bauch. Der Text kommt von alleine einfach so raus. Ich merke, dass ich, wenn ich mich fertig mache, ihn auf der Straße oder beim Lesen rezitiere, jetzt, wo ich den Text und meine Bewegungen auf der Bühne gut kenne, kann ich es mir echt leisten, auf der Bühne Platz einzunehmen, wie mir Ismaël übrigens gesagt hat. Und ich sehe, dass es ein bisschen... Es ist zwar nur eine kleine Rolle, aber ich spiele eine Oma. Eigentlich bin ich besessen. Das ist die Geschichte einer jungen Frau, die von ihrer Oma besessen ist. Eine junge jüdische Frau und gegenüber ein Palästinenser der auch von seinem Opa besessen wird weil es eine Sonnenfinsternis gibt. Also verbringen wir doch 1 Stunde und 20 Minuten auf der Bühne, und dabei sich manchmal zu winden Weil man in wenigen Sekunden zum Großelternteil wird. Das ist doch schon mal was. Bevor ich mich wirklich wohlfühlte, habe ich es irgendwie automatisch gemacht. Und jetzt sagt man mir, dass das total subtil ist, dass ich mehr mit der Besessenheit spiele. Es ist nie genau dasselbe. Ich weiß, dass ich irgendwann mal sitzen bleiben muss, mal aufstehen muss. Klar ist das wichtig, weil es einfach so ist. Aber während zum Beispiel Ismaël die Figur spielt und dass es einen langen Monolog gibt. Währenddessen sitze ich auf einem Stuhl. Und man sollte nicht denken, dass, wenn man nicht redet, Man sollte nicht spielen. Das ist das Schlimmste. Wenn du auf der Bühne stehst, bist du auf der Bühne. Und jetzt merke ich, dass ich früher... Ich habe ihn einfach nur angeschaut. Ich war da, aber ich hab ihn nur angeschaut, Ich lächelte, endlich reagierte ich. Aber hier, ganz plötzlich, kommt die Oma wieder in mir hoch, Dann bin ich wieder die Jüngste. Und das ist ein bisschen wie Improvisation, aber ich nehme mir die Freiheit, weil der Rest gut fixiert ist.

Côme
Ja, ich verstehe. Und diese Strategie, alles im Voraus zu planen, denke ich, ermöglicht ein Triptychon. Das heißt, du hast eine Sicherheit, also mehr Verfügbarkeit, Also mehr Spielraum für Kreativität. und das ist wahrscheinlich die beste Strategie in einem Arbeitsrhythmus wo alles im Rhythmus ist, mit äußeren Zwängen, und das hilft echt, den Kopf frei zu kriegen, nicht nur kurzfristig, aber auch mittelfristig. Und auf jeden Fall, wenn man die psychische Gesundheit bedenkt, wirkt das Gefühl von Sicherheit fast wie ein Medikament. Und außerdem, wenn man total improvisiert, loslassen kann auf lange Sicht echt befreiend sein. Aber es stimmt, dass es kurz vor dem Auftritt echt destabilisierend sein. Und ich denke, wo es auch echt spannend wird, was du da beschreibst, Inès, ist, dass es nicht nur künstlerisch ist. Du bist übrigens nicht nur Schauspielerin oder Performerin. Ich finde, du bist jemand, der im weitesten Sinne echt kreativ ist. Du bist politisch engagiert. Wie passt der Job als Schauspielerin zu deinen anderen Sachen, mit deiner Art, dich in der Gesellschaft und deinem Leben zu positionieren?

Inès
Ah, ein großes Thema. Aber es ist ja schließlich mein Leben. Ich muss sagen, dass ich wohl erst spät zur Schauspielerei gekommen bin. Aber wisst ihr was? Alles ist möglich, wenn man etwas wirklich will. Ich wurde Schauspielerin, mit einer Hauptrolle, und auch als Aushilfskraft, mit 35, um von meiner Schauspielerei leben zu können. Vorher hab ich mit dir, Côme, an der Sciences Po studiert. und ich war schon... Ich habe Kunst geliebt und mich seit meiner Kindheit damit beschäftigt. Nach meinem Studium an der Sciences Po habe ich ein israelisch-palästinensisches Festival organisiert. Ich war zwar die Programmgestalterin, aber nicht auf der Bühne. Dann ein Comic, da bin ich der Kunst ein bisschen näher gekommen, weil ich Drehbuchautor war, aber immer noch nicht auf der Bühne stand. Ich sag das, weil die Bühne für mich echt der beste Ort überhaupt ist, seit ich ganz klein war. Es ist irgendwie komisch, ich weiß nicht warum, wieso ich mit 18 nicht damit angefangen habe. Aber das ist gut so, denn mit Sciences Po, dass ich in Jerusalem aufgewachsen bin, mit der Tatsache, dass meine Eltern ziemlich engagiert waren, und mein Comicbuch, und dann all diese Projekte, die sozusagen Kulturgestaltung sind. Ich hab im Moment keine anderen Worte gefunden, aber das ist irgendwie das richtige Wort. Also, ich... Sagen wir mal, ich hab mich irgendwie als Kunstaktivistin entwickelt. Und es spielt eine Rolle, denn das Projekt, das ich gerade habe, Jerusalem, habe ich die Rolle gekriegt, weil ich Ismaël interviewt hab und er sich an mich erinnert hat. Er hat mir dieses Stück angeboten, das sich mit aktuellen Themen beschäftigt. Und er ist jemand, der in seinen Stücken sowieso über aktuelle Themen redet, ohne es unbedingt zu wollen, weil er immer Stücke schreibt bevor das Ereignis eintritt. Das ist echt verrückt. Also, ich gebe zu, es ist nicht einfach. Es ist immer noch echt schwierig, sich zu orientieren. Ich habe mit ChatGPT darüber gequatscht, was nicht so gut ist, Aber ich habe mit ChatGPT darüber geredet, muss ich zugeben. Du solltest besser mit Côme darüber reden, das sage ich dir. Sprich doch lieber mal mit Côme darüber. Was mache ich? Gestern hab ich ihn direkt gefragt. Eigentlich hab ich meine Energie, die seit Januar angespannt ist. Die Nachrichten machen mich nervös und traurig. Ich gehe unter viele Phasen durch. und ich weiß nicht, wie ich das umsetzen soll. Wie poste ich das in den sozialen Netzwerken? Mach ich Reels? Mach ich gar nichts? Schreib ich ein Theaterstück? Schreib ich einen Einakter? Mach ich einen Kurzfilm? Ich bin noch nicht da, wo ich hin will, weil ich nicht in der Filmbranche tätig bin. Ist es... Er hat mir was Interessantes erzählt, Aber das ist auch nicht okay, weil es Chat GPT ist. Aber ich hatte es mir schon gedacht, Das ist eigentlich Was machen wir? Müssen wir wirklich alles auf soziale Netzwerke teilen? Wenn es um so tiefe Schmerzen geht, um Fragen? Nicht unbedingt.  Aber ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Ehrlich gesagt, das ist echt schwer für mich. Ich glaube, ich setze die Messlatte hoch, weil mir oft gesagt wird: „Inès, entspann dich doch einfach mal.“ Dein Stück „Jerusalem“ bedeutet den Leuten und dir echt viel. Und es stimmt, wenn man vor 400 Schülern in einer ganz kleinen Stadt in Frankreich spielt... wo manchmal Leute sind, die noch nie im Theater waren und danach total begeistert sind, voller Fragen, man sieht, dass man ihnen was beigebracht hat. Eigentlich ist das echt cool. Und ich denke, dass man mit den sozialen Netzwerken vergisst, sich wieder auf kleine Erfolge zu freuen. Und das ist echt schade. Und vielleicht weiß ich deshalb nicht mehr weiter. Ich weiß es nicht.

Côme
Und das ist echt interessant. Ich finde, was du erzählst. Es ist echt super, diese Erfahrung teilen zu können. Und eigentlich geht es darum, einfach präsent zu sein. Weil Schauspieler oder Schauspielerin zu sein auch bedeutet, auf der Bühne präsent zu sein, diese Präsenz gegenüber anderen. Und ja, es löst sich komplett von der Virtualität der sozialen Netzwerke ab und wie man sich online präsentiert. Nach dem, was du über diese Zeit seit Januar in deinem Leben erzählst, habe ich das Gefühl, dass es um eine Art Gärungsphase geht. und dass es vielleicht nur eine Phase ist die eher mit Improvisation zu tun hat und vielleicht auch dem Wunsch und Bedürfnis, spontan zu sein als in eine strukturierte Routine zu kommen. Ich denke, das sind immer wiederkehrende Phasen im Leben von Menschen, vor allem bei Künstlern.

Inès
Ja. Außerdem ist es echt nervig. Aber es stimmt, dass die Momente, in denen es nicht so toll ist, Im Allgemeinen kann das zu einer Idee führen, auf etwas Konkretes, ein Projekt. Aber es ist echt nervig, Diese Zeit, in der du vor Energie sprühst, wo du nicht so richtig weißt, was du machen sollst. Und ich denke, dass Coaching übrigens wirklich helfen kann, oder eigentlich jemand, der nicht du bist, der dich daran erinnern kann, dass du schon Sachen gemacht hast, dass du Sachen machst und dass es okay ist, wenn du gerade jetzt nicht so genau weißt, was du machen wirst. Und ich denke, dass hier der Außenstehende kann echt helfen, weil man, wenn man immer nur mit seinen Gedanken beschäftigt ist, allein mit den sozialen Netzwerken, allein mit tausend Leuten, mit denen du dich vergleichen kannst, total verrückt werden kann.

Côme
Es stimmt, dass uns die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken immer wieder verwirrt. Und es ist echt schwierig, ihren Konsum und ihre Nutzung in Maßen zu halten. Weil es jetzt ein Ort ist, wo man sowohl beruflich als auch privat alles zusammen hat. Emotional gesehen sind wir echt stark an unsere Handys und die sozialen Netzwerke gebunden. Und wie du sagst, können wir uns so mit unseren Gleichaltrigen vergleichen, darüber nachzudenken, wer was macht, und sich vergleichen und oft in einer negativen Abwärtsspirale landen. Aber was ich interessant finde, ist, dass du sagst, dass es nicht einfach ist, in dieser Gärungsphase und das liegt auch daran, dass es einen ziemlich klaren Zusammenhang zwischen Kreativität und negativen Gefühlen gibt. Das ist etwas, das immer mehr wissenschaftlich fundiert gesehen wird. Ich rede echt nur über Kreativität und damit die Fähigkeit zu erfinden. Dafür muss man eigentlich ein Feld von Möglichkeiten öffnen, das über eine Struktur, die aus der Ordnung herausfällt, die aus allem herausfällt, was uns Sicherheit gibt, was uns einhüllt. Und es stimmt also, dass es in der heutigen Welt, in der die Automatisierung immer mehr überhandnimmt, echt kompliziert ist, diesen Raum zu öffnen, weil man sich einsam fühlt. Ich denke, das ist es auch. Wie kann man in solchen Momenten Kontakte knüpfen? Also habr ich mich gefragt, ob dir in solchen Momenten der Gedanke kommt, ein bisschen gegen deine Intuition zu handeln und irgendwo Kontakte zu knüpfen, oder ob du dich eher zurückziehst?

Inès
Eher... Dann kommt es auf die Phasen an, aber gerade jetzt, würde ich sagen, dass ich mich mehr zurückziehe, weil ich vieles ablehne. Ich hab auch ein bisschen Lust darauf, das stimmt, Na ja, das sind echt Sachen, die nicht zusammenpassen, aber ich möchte mich beschützen, mir sagen, ich werde nicht auch, endlich... Ich wohne in Paris, und es gibt viele Anfragen. Das ist echt cool, du kannst ins Theater gehen. Jeden Abend kannst du ins Kino und in 15 Austellungen gehen. Ausstellungen sind echt cool, du hast deine Freunde dabei. Und das... Ich finde es echt hart, wenn du Künstler nost, sich zu sagen: Okay, manchmal muss man sich einfach zurückziehen. Du musst kreativ sein. Also, das ist kompliziert, zusätzlich zu den sozialen Netzwerken Also, ich glaube, ich ziehe mich jetzt zurück. und was du gesagt hast über die Tatsache, Wenn man etwas schafft, geht es auch ein bisschen mit Negativität oder zumindest ein unangenehmes Gefühl zusammen. Oder zumindest mal in seinen Schattenseiten nachforschen oder Bereiche, die wir noch nicht erkundet haben. Ich finde, das stimmt total, und es genau da auch wo Sachen rauskommen können, die man zu anderen Menschen außer sich selbst was geben kann. Aber das ist nicht die Mode. Also, weißt du, ich dachte einfach nur Bücher, die von Influencern rauskommen. Was gerade angesagt ist, ist das Positive. Genau, das Beste zieht das Beste an. Und neulich hat mich das auch echt genervt. Ich dachte mir: Warte mal, Inès, Eigentlich, wenn du positiv denkst, wenn du in den sozialen Netzwerken gute Stimmung verbreitest, wirst du positive Schwingungen anziehen. Also, das stimmt schon. Ich habe es ausprobiert. Einfache Sachen. In der U-Bahn passiert es oft... Ich hab echt Probleme mit den Controllern. Ich hab echt Probleme mit der Kontrolle. Aber neulich war ich echt nett mit den. Sie waren echt nett zu mir. Alles hat super geklappt. Also es ist nicht falsch, dass man, wenn man sich doch in eine gute Stimmung befindet, kriegt man die gegenüber zurück. Immer gute Laune haben, ist das... Ist das nicht auch gegen die Natur der Säugetiere?  Man braucht manchmal sich zu schützen und ein bisschen negativ sein? Ich weiß nicht, Côme. Aber vielleicht kann uns ein Coach dabei helfen.

Côme
Auf jeden Fall denke ich, dass man dabei zwei Sachen unterscheiden kann. Das ist echt interessant und ich finde, es ist ein bisschen wie eine optische Täuschung, in die man als Mensch gerät, auch wenn wir uns dessen bewusst sind, Und das wissen wir. Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was wir denken, und wie wir zu unseren Gedanken stehen. und deshalb kann man negative Gedanken haben und eine affirmative Haltung haben Ja, ich würde nicht über eine positive Haltung reden, weil es eine bestimmte Bedeutung hat und es passt vor allem nicht zu. Eigentlich ist es eher eine Art Bestätigung. Irgendwo, eine Form von Selbstwertgefühl, was uns dazu bringt, uns über den Inhalt unserer Gedanken hinausdenken, egal ob sie positiv oder negativ sind. Und ich denke, dass du ein echt problematisches Phänomen in der Demokratisierung der psychischen Gesundheit betonst. Auf der einen Seite ist es wunderbar: Seit dem Covid reden wir über psychische Gesundheit. Und das ist für viele Leute echt befreiend. Und andererseits findet man auch heraus, dass die wissenschaftliche Literatur sich auf der sogenannten positiven Psychologie basiert und dass sie echt ihre Grenzen hat. Und das merken immer mehr Forscher. Alles, was mit Verhaltenstherapie zu tun hat,  oder die sogenannte kognitive oder Verhaltenstherapie, haben sich aber in letzter Zeit ziemlich hinterfragt.  Das ist ziemlich interessant, weil sie sich auf alles über positive Psychologie basiert haben. Und nach und nach schaffen sie es tatsächlich, existenzielle Elemente einzubauen usw. So sehr, dass, na ja, die Psychoanalyse, ein bisschen mehr Zeit braucht einige pragmatischere einfachere Sachen oder Ansätze einzubauen, bodenständige Tools, mit den man Patienten mit ihren Problemen zu helfen. Und deshalb stimmt es, dass das Coaching dafür echt interessant ist. Weil es doch ein Prozess ist, der lösungsorientiert ist. Und außerdem ist es ein Prozess, das ist ein echter Prozess. Und wir suchen nach einer Lösung, also es grenzt das Problem ein aber es gibt ein bisschen von alles beim Coaching. Ganz klar also, stößt man auf alles Mögliche. Was ich vor allem versuche, ist diese existentielle Dimension beizubringen weil sie offen für die Frage der negativen Gefühle ist aber wie ich schon sagte, darüber hinaus, die Haltung, die wir zu unseren negativen Gefühlen haben. Also klar, man kann nicht immer prächtig aussehen, Man kann also nicht einfach so eine auffällige Haltung gegenüber unseren negativen Gefühlen haben. Aber man muss sich auch nicht gleich in ihren Windungen verlieren. Und ich finde, das ist echt befreiend, Das ist auf mittlere bis lange Sicht das Befreiendste, was es gibt. Ich will ehrlich sein: Das ist kurzfristig echt schwierig umzusetzen. Aber wenn man dran arbeitet, kann man an seiner Einstellung arbeiten.

Inès
Das ist etwas, was ich gerade in dieser schwierigen Zeit ausprobiert habe. Weil ich gemerkt habe, dass ich seit Januar echt oft sauer auf die Gesellschaft war. Wirklich seit Januar. Und gleichzeitig habe ich noch nie so sehr versucht, wie du sagst, unseren Zustand zu akzeptieren. Es ist nicht einfach, aber es ist so... Es ist wichtig zu sagen: „Okay, okay, Ich bin genervt." Und wenn du das mal akzeptierst, Ich glaube... ich weiß es nicht, man stellt es in eine Ecke,  und wenn du auf die Straße gehst, du musst mit Unwägbarkeiten klarkommen, ob es jemand ist, der dir ins Ohr flüstert, es gibt echt viele davon. aber das ist okay, weil du es irgendwie akzeptiert hast. Also versuche ich echt, das Ganze positiv zu sehen. Aber ganz einfache Sachen, sogar mit meiner Katze, statt sich aufzuregen, bleib cool, entspannt, Dinge erklären. Das stört mich, weil es eine andere Art ist, Dinge zu erledigen, und das ist echt eine andere Art, wie man arbeitet. aber wie du sagst, eher in einer Art Bestätigung zu sein, aber ziemlich gelassen, Ehrlich gesagt, das tut echt gut. Das tut echt gut.

Côme
Ja, das tut echt gut. und das ist echt ein langwieriger Prozess. Auf jeden Fall stellt diese erste Folge von Creativity& mehr Fragen, als die Antworten gibt. Und ja, das ist auch irgendwie das Ziel. und ich weiß, dass wir mit dir, Inès, viele Fragen stellen können, und deshalb war es ein großes Vergnügen, dass du heute bei uns warst. Und ich würde gerne den Podcast durch Teilen von ein paar Sachen, die du geschafft hast, beenden. Du bist total begeistert von Kreuzungen der Kulturen und Identitäten. Du hast in der Bellevilloise „Pèlerinage en Décalage" ins Leben gerufen, ein unabhängiges Festival, das israelische und palästinensische Künstler zusammengebracht hat. Es ist ein bisschen verrückt, das heute zu sagen, aber es gab das mal. Und das ist wahrscheinlich möglich, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Und vor allem hast du das Comicbuch Une Nuit mitgeschrieben, der 2022 rausgekommen ist. und du spielst gerade Delphine und Ruth in dem Theaterstück, von dem du erzählt hast, Jerusalem. Du übernimmst wieder eine der Hauptrollen in „Zébrures, die verborgene Seite der Hochbegabten" von Anne-Sophie Nédélec. Und schließlich bist du gerade dabei, einen Dokumentarfilm über deine Schule in Jerusalem zu machen. Du wirst bald Firdaous in Dernier Tour spielen. Spannend! Danke, Inès, dass du heute bei uns warst. Bis bald!

Inès
Vielen Dank. Bis bald!